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Das gefärbte
und verzierte Ei gehört zu den ältesten volkskünstlerischen
Erzeugnissen der Menschen. Das nimmt keineswegs Wunder, denn
das Ei wurde seit jeher als Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit
und der Stärke angesehen. Es fand deshalb in vorchristlicher
Zeit vielfach zu den abgehaltenen Frühlingsfestenverwendung,
auf denen nach dem langen und entbehrungsreichen Winter mit
einer Reihe von unterschiedlichen Riten die anbrechende wärmere
Jahreszeit begrüßt wurde.
Dass Eier auch als Grabbeigabe Verstorbenen mitgegeben wurden,
ist eine Sitte, die in die frühgeschichtliche Zeit zurückreicht.
Hierbei treten neben echten Eiern bereits Nachbildungen aus
Ton, Steinen und Halbedelsteinen auf. Das Ei kann in diesen
Fällen einmal als Symbol des Lebens angesehen, zum anderen
aber auch als Wegzehrung für den Toten gedeutet werden.
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Im Laufe der Jahrhunderte hat die christliche Kirche viele vorgefundene
Bräuche übernommen. Dabei gehen im Bereich des Osterbrauchtums
die vorchristlichen Bräuche scheinbar nahtlos in die christlichen
über, was als Erklärung der noch immer lebenden Bräuche
um Feuer und Wasser in der Osternacht dienen kann. Auch konnte
hierbei die Bedeutung der Eier für das Frühlingsfest
gut auf das zeitlich gleichliegende Osterfest übertragen
werden, wodurch sie zum Sinnbild der Auferstehung Christi wurden,
der die Grabeshülle sprengte wie das Küken die Eierschale.
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Das Ostereierverzieren gehört somit zu den kulturellen
Erscheinungen, die auf eine lange Tradition zurückverweisen
können. Den Belegen nach bereits in frühgeschichtlicher
Zeit ausgeübt, lässt es sich bis in die Zeit des Feudalismus
zurück verfolgen und wird ohne Unterbrechung bis in die
Gegenwart ausgeführt.
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In Deutschland haben sich lediglich einige Inseln erhalten,
wo Ostereier traditionell verziert werden. Eine davon, und zwar
die größte befindet sich im deutsch-sorbischen Gebiet
der Lausitz. Hier werden noch vier verschiedene Verzierungstechniken
angewandt. Es sind dies die Wachsbatiktechnik, die Wachsbossiertechnik,
die Kratztechnik und die Ätztechnik.
Bei der Wachsbatiktechnik, die am weitesten verbreitet
und wohl auch mit als älteste der angewandten Techniken
zu betrachten ist, werden die Muster unter Verwendung von Stecknadelkuppen
und zurechtgeschnittenen Federkielen mit flüssigem Wachs
auf das Ei aufgetragen und dasselbe dann gefärbt. Dieser
Vorgang kann adäquat der Stoffbatik mehrmals wiederholt
werden, wodurch kleine Kunstwerke an Farbe und Auszier entstehen
können. Ursprünglich trug man bei dieser Technik das
Wachs auf das rohe Ei auf und kochte es dann in einem Sud aus
Zwiebelschalen oder anderen Naturfärbemitteln, was gegenwärtig
nur noch vereinzelt geschieht.
Bei der Wachsbossiertechnik, die ebenfalls schon sehr
alt ist, dann aber fast in Vergessenheit geriet und erst in
den letzten Jahren, bedingt durch die Propagierung in den Ausstellungen
der Sorbischen Webstube Drebkau, wieder verstärkt angewandt
wird, wird die Ornamentzeichnungen entweder mit dunkel gebranntem
Wachs auf das hell gefärbte oder durch mit Farbzusätzen
bunt eingefärbtem Wachs auf das naturfarbene Ei aufgetragen
und verbleibt dort als Schmuckelement.
Die Kratztechnik verlangt schon eine größere
zeichnerische Begabung. Die Muster werden mit einem scharfen
Gegenstand (Messer, angeschliffene Feile, Zahnarztbohrer u.ä.)
in das zuvor in kräftige Farbtöne eingefärbte
Ei eingekratzt und zeigen sich dann zumeist als zartere und
feinere Zeichnung.
Bei der Ätztechnik, deren Verbreitung in der Gegenwart
stark zurückgegangen ist, werden die Muster mittels verdünnter
Säure auf das gefärbte Ei geschrieben. Die die Farben
ausätzende Säure muss dann schnell wieder vom Ei entfernt
werden, damit sie nicht verläuft, und die Muster sich somit
Weiß vom farbigen Untergrund abheben.
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Im Jahre 1983 fand in der Sorbischen Webstube Drebkau die erste
Ausstellung "Bunte Ostereier" mit 630 anzuschauenden
Exemplaren statt. Wie war es nun dazu gekommen? Bunte, in Wachsbatiktechnik
verzierte, Ostereier sind mir seit meiner frühesten Kindheit
bekannt. Gehörten sie doch zu den österlichen Patengeschenken
und wurden zum Walleien gebraucht. Aufgehoben wurden sie jedoch
nicht, sondern stets aufgegessen. Doch das änderte sich
mit der Zeit durch meine beginnende Beschäftigung mit volkskundlichen
Themen. Als ich 1955 bei meinem Karfreitagsbesuch in Trebendorf
von der Volkskünstlerin Hana Hanuec ein bemaltes
Osterei geschenkt bekam, blieb es liegen und erhielt dann die
Nummer "Eins" in meiner Sammlung.
Von anderen Volkskünstlern gestaltete Eier gesellten sich
dazu, die dann zunächst noch vereinzelt durch mährische
und rumänische Eier ergänzt wurden, die ich mir von
meinen Reisen mitbrachte.
Durch die Anregung einer Hamburger Ostereiersammlerin, die in
starkem Maße an unseren sorbischen Eiern interessiert
war, begann ich ab 1980 systematisch zu sammeln. Und so gelang
es mir mit der Zeit, Ostereier von fast allen damals bekannten
sorbischen Volkskünstlern auf diesem Gebiet zu bekommen.
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Daneben kamen durch Tausch mit Sammlern in der Schweiz, Österreich,
Liechtenstein und der damaligen Bundesrepublik Ostereier von
dorther nach Drebkau. Durch meine persönlichen Kontakte
zu Museen in Prag, Brünn, Budapest, der Slowakei sowie
zu einigen polnischen Museen gelang es mir, Ostereier aus diesen
Ländern zu bekommen.
Diese Institutionen vermittelten mir auch Adressen von Volkskünstlern,
mit denen ich mich in Verbindung setzte, um dort später
persönlich die verzierten Eier abzuholen. Diese "Ostereierfahrten"
waren immer besondere Ereignisse, an die ich gern noch heute
zurückdenke.
Nach der Wende wurde es dann möglich, an Ostereiermärkten
in Hamburg, Hessen und in den Niederlanden teilzunehmen, von
denen ich stets mit guten Sammelergebnissen heimkehrte. Obwohl
in meiner Sammlung inzwischen Eier aus Glas, Porzellan, Ton,
Stein Holz, Filz und anderem zu finden sind, liegt mein Hauptaugenmerk
auch weiterhin auf volkskünstlerisch gestalteten Eiern.
Hier sind es besonders die in sorbischen Techniken ausgeführten
Eier, von denen mehr als 1.200 in der Drebkauer Ausstellung
zu finden sind.
Mit Fug und Recht lässt sich sagen, dass diese Sammlung
mit über 3.000 Ostereiern der verschiedensten Art als älteste
und größte in den neuen Bundesländern bezeichnet
werden kann. Die Exponate stammen aus mehr als 50 Ländern
aller Kontinente und werden durch Volkskunstgegenstände
ergänzt, die zur österlichen Brauchtumspflege gehören.
Hervorhebungen
von der Redaktion
Literaturhinweis
Becker, Albert
Osterei und Osterhase, Jena 1937
Bott, Irmgard
Ostereier-Malerei aus Merdorf und Erfurtshausen, Königstein/Taunus
1979
Bukowska,
Janina
Pisanki polskie z X XIII wieku. In: Polska sztuka ludowa, Rok
XII, Nr. 1/1958, S. 45 49
Conrad, Michael
Beitrag zu der in den Provinzialblättern der Oberlausitzischen
Gesellschaft der Wissenschaften enthaltenen Abhandlung.von den
Sitten und Gebräuchen der heutigen Wenden, Dessau 1783.
Reedition, in: Letopis Reihe C, Nr. 10, Bautzen 1967
Cornakec,
Jewa-Maria
Kleine serbische Ostereierfibel, Bautzen 1990
Dalton-Garrett,
Daphne
The Art of Decoratina Wendish Easter Eqqs, Warda/Texas 1987/1991
Frenzel,
Abraham
Historia popüli et rituum Lusatiae Superioris, (um 1700)
Fotokopie im Sorbischen Institut Bautzen
Haupt, Walther
und Huth, Joachim
Das Zinsregister des Klosters Marienstern, Bautzen 1957
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