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Seit Sonntag, dem 16. Oktober 2011 ist der Bautzener Flickteppich
wieder in den Ausstellungsräumen des Museums Bautzen - in der
Schatzkammer - zu sehen.
Gemeinsam mit MuseumskollegInnen und dem textilen Freundeskreis
am Museum Bautzen haben die Gestalter Thomas Fißler und Andreas
Kempe von der Firma Exponateinrichtung und Lichtgestaltung das kostbare
Stück in die Vitrine gebracht. Behutsam erhielt er unter den
Blicken der Öffentlichkeit einen zentralen Platz in der ständigen
Ausstellung.

Der Bautzener Teppich von 1776/1779 ist ein ganz besonderes Objekt,
das schon seit Jahren im Focus des wissenschaftlichen Interesses
zur Erforschung der Textilproduktion und zur zeitgenössischen
Bildprogrammatik der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts steht.
Ab dem Herbst 2008 war der Bautzener Teppich durch Europa gereist,
da er über alle Stationen des Ausstellungs-, Forschungs- und
Katalogprojektes "Tuchintarsien in Europa von 1500 bis heute"
Teil des Projektes war.
Seine Rückkehr wurde nun in feierlichem Rahmen zelebriert.
Die Regie dieses sehr schönen Nachmittags lag in den Händen
der Bautzener MuseumskollegInnen, insbesondere von Frau Ulrike Telek.
Der Direktor des Museums Bautzen, Dr. Jürgen Vollbrecht begrüßte
alle Anwesenden, darunter die Freunde des Museums Bautzen und Aktive
des internationalen Ausstellungsprojektes. Auch die verantwortliche
Restauratorin des Bautzener Teppichs, Frau Gisela Bruseberg aus
Dresden, die das wertvolle Objekt in den 1980er Jahren restauriert
hatte, wurde begrüßt.
Anlässslich dieser Neuinstallation erfolgte auch eine Präsentation
des Tuchintarsienprojektes seitens der verantwortlichen KollegInnen
aus dem Berliner Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen
Museen zu Berlin. Prof. Konrad Vanja. der Direktor des Museums Europäischer
Kulturen Berlin - Staatliche Museen zu Berlin, dankte in seinen
Begrüßungsworten für die ertragreiche und freundliche
Kooperation.
Dr. Erika Karasek, Vorgängerin im Direktorat und Begründerin
des Forschungsprojektes zu den "Flickelteppichen" legte
dar, wie bereits in den 1980er Jahren begonnen wurde, über
die "Flickelteppiche des schlesischen Raumes" zu arbeiten.
Der Bautzener Teppich war eines der sehr bedeutenden Referenzobjekte.
Bis 1999 konnten mehr als 25 einschlägige Vergleichsobjekte
europaweit recherchiert werden. Nach der Pensionierung von Erika
Karasek ruhte dieses Forschungsvorhaben einige Jahre.
Ab 2005 konnte diese Forschungsthematik wieder aufgenommen werden
und damit der Staffelstab an Dr. Dagmar Neuland-Kitzerow und die
Textilrestauratorin Salwa Joram weiter gegeben werden. Auf der Grundlage
der geleisteten Basisarbeit erfolgten weitere Recherchen in europäischen
Museen und Sammlungen zu vergleichbaren Objekten. Diese ertragreichen
Arbeitsschritte ermöglichten die Entwicklung eines Ausstellungs-
und Katalogkonzeptes. Die Zahl der Vergleichsstücke war inzwischen
auf über 70 Objekte angestiegen.
Teil der Forschungen und Recherchen war die Herausarbeitung einer
international verständlichen einheitlichen Begrifflichkeit
für die sehr unterschiedlich benannten Sammlungsobjekte, die
sich insbesondere durch ihre einheitliche Technik auszeichneten.
Damit wurde der zusammenfassende Begriff der Tuchintarsie geprägt.
Auch erwies sich der Zeitraum ihrer Produktion als viel umfangreicher
und es konnte auf das zeitliche Spektrum von 1500 bis heute verwiesen
werden. Basis aller Rechercheergebnisse waren das europa- bzw. weltweite
Interesse und die Bereitschaft zur Kooperation.
Bald zeichnete sich ab, dass die Ausstellung nur einen Teil der
bekannten Objekte enthalten kann. Das hatte insbesondere konservatorische
Gründe. Die Publikation aller bis dahin bekannten Tuchintarsien
sollte aber in einem zweisprachigen Katalog erfolgen. Mehr als 50
Autoren aus 13 Ländern haben ihre Beiträge in den Katalog
eingebracht.
In den Darlegungen von Dagmar Neuland-Kitzerow und Salwa Joram wurde
das Projekt von 2005 bis einschließlich 2010 skizziert; wobei
inhaltliche, konservatorische, organisatorische sowie gestalterische
Aspekte resümiert wurden. Anhand zahlreicher Bilder konnten
alle Gäste noch einmal die Etappen der Forschung, der Restaurierung
und der Ausstellung verfolgen.


Es wurde ganz besonders darauf hingewiesen, dass die Ausstellung
Dank des Engagements von Ulrike Telek und ihres Museums auch in
Bautzen gezeigt werden konnte. Dafür wurde herzlich gedankt.
Der Bautzener Teppich konnte Dank seines stabilen konservatorischen
Zustands und der sehr guten Kooperation mit dem Museum Bautzen,
an allen vier Ausstellungsstationen, in Berlin, Wien/ Österreich,
Bautzen und Leeds/ England, gezeigt werden.
Nun ist der berühmte Bautzener Flickelteppich wieder für
die Öffentlichkeit im Museum Bautzen präsent und bereichert
die eindrucksvolle Sammlung des Hauses.
alle Fotos: Christian Essler
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