Ausstellung
"Frühling im Herbst/Wiosna jesienia/Le printemps en automne"

Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830-1832.
Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen Staatliche Museen zu Berlin

in Verbindung mit dem Bundesarchiv - Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte
Verein der  
 Freunde des Museums Europäischer Kulturen

 

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde unseres Projektes!

Heute möchte ich Ihnen kurz über den Beginn unserer Vorausstellung berichten, die erstmals am 8. Mai 2003 in Wroclaw im Rahmen des "Gipfels des Weimarer Dreiecks" eröffnet wurde. Obgleich schon lange im Gespräch kam jedoch das "Grüne Licht" für den Einbezug dieser Ausstellung in die begleitenden Veranstaltungen erst wenige Tage zuvor, so dass sicherlich nur wenigen von Ihnen die Einladung rechtzeitig zugehen konnte.

Dankenswerterweise hatte das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland die Einladung ausgesprochen. Gast waren wir mit der Ausstellung am prominenten Ort des Gipfels, im herrlichen Alten Rathaus von Breslau. Dessen Direktor, Herr Dr. M. Lagiewski, hatte unser kurzfristig angemeldetes Unterfangen mit aller Herzlichkeit unterstützt und realisiert. Die Ausstellung selbst wurde mit ihren von Christian Ahlers gestalteten großformatigen Tafeln im Ersten Obergeschoß des Rathauses aufgebaut und hinterließ mit ihrer klaren Gliederung in chronologischer Abfolge der Ereignisse vom November 1830 bis zum Ende der "Großen Emigration" 1832 in Frankreich, Belgien oder Großbritannien einen schönen Eindruck. Mittelpunkt und begleitendes gestalterisches Element ist das Gemälde von Dietrich Monten "Finis Poloniae 1831", (oder: "Der Polen Abschied"; gemalt 1832), das ausführlich als Zeugnis der deutschen Polensympathie erläutert und in seinen vielen verbreiteten popularisierten Bildentwürfen dargestellt wurde. Die Bereitstellung einer großen Anzahl zeitgenössischer Darstellungen, Dokumente und Karten, für deren Zurverfügungstellung ich allen Leihgebern herzlich danke - und hier insbesondere auf den großzügig gewährten "Löwenanteil" durch das Polenmuseum Rapperswil verweise - hat dieses Unterfangen nur möglich gemacht. Die ca. 35 blau grundierten Tafeln, jeweils mit silberfarbenen Aluminiumleisten eingefasst und abteilungsweise von großformatigen Segmenten des Bildes von Monten untergliedert, bildeten eine auch farblich angenehme Abfolge der Themen. Insbesondere in Anbetracht des "Weimarer Gipfels" hatten wir uns zu einer durchgängig dreisprachigen Beschriftung entschlossen, die in Polnisch, Französisch und Deutsch auch farblich im Druckbild unterschieden wurde.

Diese Ausstellung - von einem Transportfahrzeug der Polnischen Botschaft in Berlin unproblematisch nach Breslau transportiert und unter der Leitung von Christian Ahlers und Gerhard Weiduschat aufgebaut, wurde am Vorabend des Gipfels durch S. E. Dr. Reinhard Schweppe, Botschafter derBundesrepublik Deutschland in Warschau, eröffnet. Er zeigte sich dabei besonders erfreut, dass er aus Anlass des Dreiergipfels eine Ausstellung eröffnen könne, die an eine, wenn auch kurze positive Phase der polnisch-deutsch-französischen Beziehungen erinnere. Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste durch den Direktor des Historischen Museums im Alten Rathaus, Herrn Dr. Maciej Lagiewski, der an die Beziehungen des Breslauer Dichters Karl von Holtei zum Thema der Teilungen Polens erinnerte, in dem er auf das Schauspiel "Der Alte Feldherr" von 1825 verwies, das sich auf Tadeusz Kosciuszko bezog. Der Stellvertretende Stadtpräsident Jaroslaw Obremski bezog sich in seiner Rede auf die europäischen Dimensionen des Novemberereignisses, auf dessen unterstützende Funktion für die Freiheit ihres Landes sich heute noch viele Belgier beziehen. Der Verfasser selbst führte in die Ausstellung ein und erinnerte an die lang wirkende Macht der Bilder und Parolen am Beispiel des Zitates "Für Eure und unsere Freiheit" der Dekabristen. Dieses Motto wiederum verlieh 1943 den verzweifelt um ihre Menschenwürde kämpfenden Juden im Warschauer Ghettoaufstand Mut und Entschlossenheit. Diese Botschaft wird auch in dem Projektentwurf für die künftige Ausstellung der Jahre 2004/2005 hervorgehoben. Hatte doch der Wissenschaftliche Beirat des Ausstellungsprojekts betont, dass mit dieser historischen Ausstellung Botschaften für die Gegenwart und Zukunft eines in Frieden und Freiheit geeinten Europas verbunden sein müssten.
Anschließend fand der Abend mit einer Diskussion in hochkarätiger Besetzung in der ehrwürdigen Aula Leopoldina der Universität Wroclaw eine wundervolle Fortsetzung. Eingeladen hatte hier das Komitee zur Förderung der Deutsch-Französisch-Polnischen Zusammenarbeit e.V. (Weimarer Dreieck) in Zusammenarbeit mit dem Willy-Brandt-Zentrum für Deutschland- und Europastudien an der Universität Wroclaw zu einem trilateralen Kolloquium unter dem Titel: "Das Weimarer Dreieck: Hoffnungen von gestern - Erwartungen an morgen".

Zahlreiche Begegnungen begleiteten diese Eröffnung, so u. a. ein ausführliches Gespräch des Unterzeichners und Herrn Weiduschats im Willy-Brandt-Zentrum der Universität Wroclaw mit Herrn Dr. Krzysztof Ruchniewicz über thematische Zuordnungen der Ausstellung in das deutsch-polnische Gespräch auf europäischer Ebene.

Der 9. Mai 2003 stand dann voll im Zeichen des Gipfels, dessen zentrales Gespräch in der alten Ratsstube des Rathauses stattfand. Herr Weiduschat und ich hatten dabei die Möglichkeit, während des Treffens unter der Federführung von Herrn Direktor Lagiewski die begleitenden Diplomaten durch die Ausstellung zu führen und den trinationalen Charakter des Projektes hervorzuheben. Insbesondere der Hinweis auf das vorangehende Treffen des Weimarer Dreiecks, das in Neustadt an der Weinstraße 2001 mit dem Hambacher Fest verbunden war, bot Anlass zu vielen weiteren Diskussionen.

Nach nur kurzer Dauer musste die Ausstellung am Samstag, dem 10. 5. 2003, schon wieder reisefertig für den Standort Poznan gemacht werden. Das Polnische Militär übernahm diesmal den Transport. Mitarbeiter des Museums leisteten tatkräftige Unterstützung beim Abbau und dem sachgerechten Verladen der Ausstellungstafeln. Für alle diese weit reichende Hilfe, insbesondere durch die jeweiligen Militärattaches in Polen und Deutschland, bin ich sehr dankbar und kann an dieser Stelle nur betonen, dass ohne diese Unterstützung ein solches Unternehmen überhaupt nicht machbar gewesen wäre.
In Posen wurde die Ausstellung am Montag, dem 12. 5. 2003, um 12 Uhr im Weißen Saal, dem sog. Chopin-Saal, durch den Direktor der Kulturabteilung, Wlodzimierz St. Gorzelanczyk, festlich eröffnet.
Der Herr Stellvertretende Stadtpräsident Tomasz Kayser dankte im Namen der Stadt Poznan für das Angebot, diese wahrhaft "europäische" Ausstellung am Vorabend der "Generalversammlung des Rates der Gemeinden und Regionen Europas"(Europäischer Kommunaltag; 13.-16.5.2003) so zu präsentieren, dass sie allen Besuchern dieser großen Veranstaltung zugänglich gemacht werden könne.
Der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Herr Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg, überbrachte die Grüße des Landes Brandenburg und der Ministerin der Justiz und für Europaangelegenheiten, Frau
Barbara Richstein. Er begrüßte die Ausstellung besonders deshalb, weil sie eine der wenigen positiven Phasen der polnisch-deutsch-französischen Beziehungen thematisiere, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass diese Ausstellung die historische Nachbarschaft der Regionen Großpolen und Brandenburg im Hinblick auf die Integration Polens in die EU positiv beleben könnte. "Freuen wir uns darüber, dass die Träumereien der Demokraten während des Europäischen Völkerfrühlings des 19. Jahrhunderts heute in Erfüllung zu gehen scheinen. Die Ausstellung soll diese frohe Botschaft nun zunächst hier in Poznan und dann im deutsch-polnischen Grenzgebiet verbreiten helfen", führte Dr. Rautenberg weiter aus.
Herr Prof. Lech Trzeciakowski, Adam-Mickiewicz-Universität Poznan, Mitglied unseres Wissenschaftlichen Beirats, und der Verfasser dieser Zeilen führten dann gemeinsam in das Thema der Ausstellung ein.
Die Enthüllung des Gemäldes von Dietrich Monten im Original, und die Revolutionsetude von Fryderyk Chopin, gespielt von dem vierzehnjährigen Pianisten Jacek Kortus, beendet die festlich gestaltete Eröffnungsfeier.

Die Ausstellung, die im Rahmen des Europajahres 2003 von "Kulturland Brandenburg" gefördert wird, wird seitens des Kulturreferats der Stadt Poznan besonders den mittleren und höheren Schulen empfohlen, was durch eine große Teilnahme von Schulvertretern an der Eröffnungsfeier dokumentiert wurde. Für die großartige Abwicklung ist neben dem Direktor der Kulturverwaltung, Herrn Gorzelanczyk insbesondere seiner Mitarbeiterin, Frau Elzbieta Malik, zu danken. Der Leiter des Großpolnischen Museums für die Unabhängigkeitskämpfe, Herr Jerzy Wawrzyniak, sein Kustos Herr Janusz Grajewski und weitere Mitarbeiter halfen diesmal Herrn Weiduschat beim Aufbau und der Gestaltung der Ausstellung in den historischen Räumen der Stadtverwaltung.

Unten füge ich unsere Abschlusstafel aus der Ausstellung an, aus der die Fülle der beitragenden Personen und Institutionen deutlich wird, und spreche damit Ihnen allen meinen ganz herzlichen Dank aus. Auch für die Zukunft unseres gemeinsamen polnisch-deutsch-französischen Unternehmens bitte ich Sie alle um Ihre weitere hilfreiche Unterstützung!

Mit freundlichen Grüßen auch im Namen meiner beiden Mitinitiatoren, Herrn Prof. Dr. W. Michalka und Herrn Generalstaatsanwalt Dr. E. C. Rautenberg bleibe ich

Ihr
Konrad Vanja


P.S.: Die Tafeltexte in deutscher, polnischer und französischer Sprache können bei mir abgerufen werden. Bitte teilen Sie mir mit, wenn Sie die Nachricht nur bruchstückhaft empfangen, aus dem Verteiler gestrichen werden möchten oder weitere Wünsche und Anregungen haben.

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