Naive Wege der Kunst

Bilder aus der Sammlung Pallat
und dem Museum Europäischer Kulturen Staatliche Museen zu Berlin

1. Oktober 2004 bis 2. Januar 2005
Ort: Kunstforum der Berliner Volksbank

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Naive Wege der Kunst

Bilder aus der Sammlung Pallat und dem Museum Europäischer Kulturen
Staatliche Museen zu Berlin
in Kooperation mit dem Kunstforum der Berliner Volksbank

1. Oktober 2004 - 2. Januar 2005
Pressekonferenz: 30. September 2004, 11.00 Uhr
Eröffnung: 30. September 2004, 19.00 Uhr
Ort: Kunstforum der Berliner Volksbank
        Budapester Straße 35, 10787 Berlin (gegenüber dem Aquarium)
Öffnungszeiten: Di - So 10.00 -18.00 Uhr
Eintritt: 4,- Euro, ermäßigt 3,- Euro, Kinder kostenfrei


1. Allgemeine Informationen zur Sammlung des Museums Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin und zur Sammlung Pallat:

Diese Ausstellung ist in Berlin etwas Besonderes: außerhalb der ständigen Sammlungen der Museen bietet das Kunstforum der Berliner Volksbank einen Platz, um zwei verborgene Sammlungen, die Sammlung Pallat und die Sammlungen des Museums Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin gemeinsam zu präsentieren.
Die Sammlung von Naiven Malern im Museum Europäischer Kulturen wurde in seinem Grundbestand von Lothar Pretzell in den 1960er Jahren aufgebaut, der als Schwager von Max Ernst einen unmittelbaren Bezug zu dieser Thematik hatte, und konnte von seinem Nachfolger Theodor Kohlmann systematisch fortgesetzt werden. Diese Sammlung, die bislang lediglich einmal im Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1979 in Berlin und danach in Bonn und an anderen Orten gezeigt wurde, begleitete Theodor Kohlmann damals mit einem kommentierten Katalog. Inzwischen ist diese Sammlung durch Zuerwerb, Schenkungen und Deposita (Sammlung Gertrud Weinhold und Christine und Hans-Joachim Orth) sowie Nachlässe ( u.a. von Christian Borngräber mit Bildern von Karl Borro Palleta und der Nachlass Wilhelm Nix ) sowie durch die Bestände des Museums im Zuge der Wiedervereinigung auf ca. 450 Bilder angewachsen. Sie soll daher erneut der Öffentlichkeit in Berlin präsentiert werden.
Die Sammlung von Felicitas Pallat und Konstantin Pallat wurde Mitte der 1970er Jahre begonnen und wird kontinuierlich bis heute ergänzt und erweitert. Ausstellungen fanden statt im Kunstamt Kreuzberg 1984 und im Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden 1998.


2. Zur Ausstellung

Es entspricht der Vielfalt der Künstler, die unter dem Begriff "Naive Kunst" zusammengefasst werden, dass die Ausstellung keinen einheitlichen Gestaltungsstil verfolgt. Die Buntheit der Werke spiegelt sich in der Verschiedenheit der Rahmungen, der Formate und der Bildthemen. Die Begriffe sind nur weit zu fassen, sie gehen ins Exotische und Surreale, aber auch ins Private und Intime des häuslichen Umfeldes. Die Motive reichen von beschaulichen Landschaften und idyllischen Stadtansichten bis hin zu Industriebrachen und Katastrophendarstellungen. Das Menschsein wird in all seinen Facetten erfasst. Eine der vielen Höhepunkte der Ausstellung ist das Ölgemälde "Der barmherzige Samariter"(1920/28) des Kaufmanns und Künstlers Adalbert Trillhaase (1858-1936), ist als Meilenstein der naiven Kunst anzusehen und gehört zu den Inkunabeln dieses Genres. Es markiert einen weiteren wichtigen Themenbereich: die Motive der Andacht und der religiösen Szenen. Aus diesem Bereich stammen auch die neueste Funde der Sammlung Pallat: In einer beeindruckenden Bildersequenz werden von einem bislang noch anonymen Künstler biblische Geschichten aus dem Buch Tobias erzählt.
Berühmte Künstler und unbekannte Entdeckungen stehen in dieser Ausstellung gleichberechtigt nebeneinander. "Naive Wege der Kunst" sind Entdeckungsreisen in unbekannte Bilderwelten abseits des gegenwärtigen Kunstbetriebes. Die Originalität der einzelnen Künstler und die Gemeinsamkeiten des naiven Stils ergänzen sich auf spannende Weise.


3. Das Sammeln von Naiver Kunst
Die Sammlung Felicitas und Konstantin Pallat

"Naive Maler folgen eigenen Gesetzen. Ihre malerische Tätigkeit beruht auf einer poetischen und aufrichtigen Schilderung persönlicher Erlebnisse. Sie gehen an ihre Aufgabe nicht mit all der Last von Bildung, mit dem Wissen um Gesetzmäßigkeiten heran. Indem sie das alles abwerfen, können sie wirklich Neues schaffen. Einer der Wegbereiter der naiven Malerei war Henri Rousseau; seine magischen Bilder sind von Picasso, Apollinaire und Wilhelm Uhde entdeckt worden. In Bewunderung für Rousseaus eigenwillige Bilderwelt entschlossen auch wir uns vor längerer Zeit zum Kauf eines ersten naiven Bildes, das wir fast versteckt in einem Antiquariat, an die Wand gelehnt, fanden. Es war ein kleines Ölbild "Mann mit Krawatte", um 1900 gemalt. Dann begann ein Entdeckungsrausch, der uns durch Lagerhallen von Möbeln und Rahmen, durch Märkte, Antiquariate und abseits gelegene
Gebrauchtwarenhandlungen führte, um naive Malerei zu finden. Diese Gänge sind fast ein schöpferischer Akt: suchen, entdecken, vergleichen. Wie Schatzgräber folgen wir den naiven Spuren. Die Bilder, die sich in unseren Räumen versammeln, werden immer mehr, ihr Themenkreis immer größer, unser Blick für die magische Wirkung der Laienmalerei immer intensiver. Uns gefällt die direkte Ausdrucksfähigkeit, die weit entfernt ist von dem intellektuellen Gedankenspiel der professionellen Artisten. Die naiven Künstler halten fest an dem Thema, das ihnen fast in das Auge springt: der braune Hund auf dem Sofa, der Blick auf den Kanal, die blühenden Kirschbäume im Garten. Wir schöpfen aus der Kraft dieser Unmittelbarkeit."

 

 

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